Bloggen,Gedankengut

Tagebuch: Woche 1 ohne Instagram-Surfen

surf pause #offline

In den letzten Wochen habe ich mich selbst dabei ertappt, dass mich Instagram stresst. Irgendwie hat es sich eingeschlichen, dass ich ständig online war. Nach dem Aufwachen noch im Bett, wenn mir langweilig war, wenn ich grad mal fünf Minuten nix zu tun hatte, bei der Einschlafbegleitung, beim Fernsehen auf der Couch und nochmal schnell im Bett vorm Licht ausmachen. Was ich auch festgestellt habe: ich schaffe irgendwie nix. Mich stresst Instagram – mich stressen die Accounts. Die einen sind so erfolgreich, die anderen haben alles, die anderen können alles. Auch wenn mein Kopf weiß, dass ich da nur winzig kleine Ausschnitte eines Lebens sehe, hätte ich all diese tollen Ausschnitte auch gerne in meinem Leben. Ohne den Rest hinten dran natürlich – sieht man ja auch nicht. Und vieles von dem, was ich da so sehe, bleibt in meinem Kopf.

Naja, lange Rede, kurzer Sinn. Ich mache eine Instagram-Pause. Nicht weil Instagram doof ist, sondern weil ich zu viel Zeit damit verbracht habe. Ich werde also nicht rein schauen, nicht scrollen, nicht mich durch die Stories klicken. Und ich denke, ich werde sehr viel verpassen und eigentlich weiß ich, dass ich überhaupt nix verpassen werde. Social Media Pausen habe ich bisher nur im Urlaub gemacht – dieses Jahr habe ich mir den August dafür vorgenommen.

Hier dokumentiere ich ein bisschen, wie es mir dabei geht.
Ohne Konzept. Einfach wilde Gedanken. Jeden Tag ein kleines Update.

Tag 1:

Ich liege noch im Bett, nehme mir mein Handy , schalte den Flugmodus aus, lese die neuen What’s App Nachrichten und klicke dann nicht, wie sonst immer, auf das hübsche bunte Instagram-Symbol. Ich liege also im Bett und schaue an die Decke und aus dem Fenster. Hab ich schon lange nicht mehr gemacht. Der Vormittag ist vollgepackt. Packen, Kind zum Testzentrum und 1,5 h Autofahrt an den Chiemsee. 1,5 h sind lang, wenn man nebenbei nicht surft, fällt mir auf. Die Landschaft aber ist schön. Ich fühle mich ein bisschen wie die kleine Annette früher. Ich schaue nur aus dem Fenster, wir fahren über Land. Ich schaue aus dem Fenster und schaue mir all die Häuser und Gärten an und in meinem Kopf stelle ich mir vor, wer da wohl wie lebt. Was aber auch in meinem Kopf vorgeht: Volles Chaos. Da sind soooo viele Gedanken. Sooooo viele. Die laufen von links nach rechts und kreuz und quer und keinen denke ich zu Ende. Am liebsten würde ich einfach das Handy in die Hand nehmen. So, als ob ich es mit mir und meinen Gedanken selbst nicht aushalte.
Mittagessen am Chiemsee. Danach noch ein kurzer Spaziergang – vielleicht 15 Minuten – im Regen. Ich mache Fotos am Steg. Das kann ich heute Abend auf Instagram posten. So als  „hallo Sommerferien – tschüss Instagram“. Einmal muss ich ja noch auf Instagram gehen. Ich MUSS ja noch die Tipps für die Meditation teilen und ich MUSS ja auch noch ein Foto in den Feed posten, dass ich jetzt weg bin. Klar, oder? MUSS ich.
Dann wieder 1,5 h Rückfahrt. Lange 1,5 h. Meine Gedanken kreisen lustigerweise viel um Instagram. Die Accounts dort und ihre Geschichten. Ich werde jetzt also nicht mitbekommen, ob das Stillen bei Fee klappt, werde nicht wissen, wie Frau Hölles Urlaub in Kroatien ist und mir nicht all die Hotspots speichern können und werde auch nicht wissen, was genau Johanna alles macht, um ihre Beziehung zu retten. Ich werde mich aber leichter fühlen, weil ich nicht sehe, wie Nicole ein Produkt nach dem Anderen in ihren Shop stellt. Werde nicht ständig „Laschet-ist-scheiße-dieWelt-brennt-Querdenker-sind-noch-mehr-scheiße-Schüler-undFamilien-sind-der-Politik-egal“ Posts eingespielt bekommen. Weil durch die Möglichkeit, Posts zu teilen, lese ich auch bei Johanna, dass an uns Eltern nicht gedacht wird, dass wir Eltern müde sind, lese ich bei Vanessa, Jules und Tanja, dass die Flutopfer alles verloren haben und lese bei Steffi, dass ich jetzt endlich mal ich dran sein muss und endlich mal Yoga, zuckerfrei und Vibratoren testen soll. All das stresst mich momentan. Es ist einfach zu viel geworden in meinem Kopf. Zu viele Informationen. Ich habe die Accounts gut ausgewählt, denen ich folge, aber die posten nicht nur DIY, Lettering, Interior und Urlaub, sondern auch die harte Kost. Und das dürfen die auch! Nur mich überrollt das gerade.
Die Heimfahrt ist lang, ich wäre fast eingeschlafen. Am Abend, nachdem ich mich an diesem Tag über das Verhalten so einiger Menschen in meinem Umfeld geärgert habe, sitze ich auf der Couch und will einfach nur surfen und mich berieseln lassen. Ich öffne Instagram. Das wäre jetzt zu schön. Aber: ich will ja nur noch meine Story posten, ich surfe ja nicht mehr. Natürlich wird mir ein Bild angezeigt. Von meiner Freundin Kati. Sie waren wohl am Bodensee. Ein Bild von ihren vier Jungs auf einer Bank vor dem Wasser. Ein unglaublich schönes Bild. Hach. Das hätte ich auch gerne. Die waren am Bodensee. Wie idyllisch. Ich poste meine Story und dann noch mein Bild vom Chiemsee. Naja, mit Sommerferien hat das nicht viel zu tun. 15 Grad und Regen, überhaupt war irgendwie der Wurm drin an dem Tag. Aber wetten, dass einige meiner Follower denken „oh, sie war am Chiemsee am Wochenende. Wie idyllisch.“ Oder „wie perfekt die gelbe Regenjacke da passt“ oder „ja ja, da redet sie immer davon, dass sie gestresst ist von dem perfekten Leben, postet aber jetzt ein Bild vom schönen leichten Leben in den Sommerferien – Heuchlerin“. Und ich weiß, dass es auch welche gibt, die einfach das Bild schön finden oder die, die vor Neid zerfressen sind und deswegen kein Like da lassen können. Und jetzt? Erstmal muss wohl einfach Abstand her. Tag eins hab ich gut geschafft. Ich hab zwar selbst noch was gepostet und auch Nachrichten beantwortet, aber ich habe nicht gesurft. War nicht leicht. Echt nicht.

Tag 1: Das Instagram-Bild vom Chiemsee

Tag 2:

Nach meiner Runde frischer Luft und dem späten Frühstück ertappe ich mich dabei, dass ich doch eigentlich jetzt immer auf Instagram surfen würde. Das dauert dann auch gerne mal eine halbe Stunde. Was mache ich jetzt mit dieser gewonnenen Zeit in den nächsten Wochen? Der Plan ist Meditieren oder Yoga oder irgendwas „für mich“. Heute setze ich mich an den Rechner, weil ich gestern auf der Autofahrt beschlossen habe, dass ich mich wieder mehr um meinen Blog kümmern möchte.
Ich brauche ein Foto von gestern für den Blogpost . Schnappe mir das Handy. Mir fällt auf, dass der Instagram-Button nicht mehr rechts unten ist. Ach, schade. Das wär jetzt schön, nur so fünf Minuten (aus denen immer mindestens 20 Minuten geworden sind). Dann eben nur schnell Nachrichten-Überschriften lesen… Ach, das wolltest du doch nicht mehr machen, Annette. Immer am Handy sitzen. Lege also das Hand weg und will am Rechner weiter machen. Wo war ich? Ach ja, ich wollte ein Foto am Handy suchen. Und genau da habe ich mich ertappt. Das passierte mir oft in letzter Zeit. Ich wollte nur schnell etwas am Handy schauen – What’s App, Wetter, Email, Foto… – und zack, war ich 20 Minuten auf Instagram. Und das mag ich nicht mehr. Deswegen mache ich eine Instagram-Pause.
Cool daran ist, dass ich jetzt am Rechner sitze und seit einem halben Jahr mal wieder einen Blogpost schreibe. Normalerweise würde ich jetzt auf der Couch sitzen, warten bis der Liebste aus dem Kinderzimmer kommt und währenddessen ausschließlich durch Instagram surfen. Hah. Geilo. Heute nicht.

Tag 2: Habe festgestellt, dass Hortensien schon grün sein müssen zum Trocknen.

Tag 3:

Ertappe mich heute immer wieder dabei, dass ich an meinen „Handyparkplatz“ gehe und einfach mal schaue, ob was passiert ist. Das Handy hat schon immer daheim einen Platz. Auf dem Tresen / der Durchreiche zwischen Küche und Esstisch. Und immer wieder im Vorbeigehen schaue ich, ob ich eine Nachricht bekomme habe, oder eben früher auch, was es so neues auf Instagram gab. Heute habe ich mich also ungefähr fünf mal ertappt gefühlt. Fünf mal ans Handy, als ich sonst grad nicht so Recht wusste, was ich jetzt machen könnte. Und auch nichts gemacht habe, weil ich ja auf Instagram war…. Heute habe ich dann nicht gesurft und mich entschieden, Fotos für einen neuen Blogpost zu machen. Einen Post, den ich schon seit Monaten schreiben wollte. Monaten. Es juckt ein bisschen in den Fingern, dass ich hier wieder öfter schreibe…

Küchentresen

Tag 3: Der Handyparkplatz – auf dem Tresen, gleich neben der Tafel, bei den Blumentöpfen. Altes Bild.

Tag 4:

Gute Neuigkeiten. Die schlimmen anfänglichen Entzugserscheinungen sind weg. Ich vermisse es nicht mehr. Ich denke auch nicht mehr ständig drüber nach. Es ist jetzt einfach so, dass ich nicht mehr das Handy nehme, um mich durch Instagram zu scollen. Das Gute am weniger Surfen ist definitiv, dass ich viel mehr Zeit habe. Ich mache Sachen, die ich schon ewig mal machen wollte und immer vor mir hergeschoben habe. Heute zum Beispiel zwei Überweisungen, zwei Bestellungen und drei Recherchen. Außerdem habe ich heute durch den connox-Katalog geblättert. Er lag auf dem Tisch und ich habe mich darin verloren. Früher wäre er einfach ins Altpapier gewandert – begleitet vom Gedanken, dass ich die bessere Inspiration eh auf Instagram bekomme. Weit gefehlt. Ich habe im Katalog Sachen entdeckt, die bei gefühlt jedem Interior-Blogger zuhause stehen. Und ich habe Sachen gefunden, die mir richtig richtig gut gefallen, die ich noch gar nicht kannte. Das ist ein erster kleiner Schritt wieder näher zu mir hin. Zu mir und meinem Geschmack.

Was auch cool ist: Ich sitze den dritten Tag in Folge am Blog und schreibe. Heute zwar ohne Foto für Euch, aber mal ganz ehrlich: wer wusste schon, dass ich jeden Tag ein Foto posten wollte und mir dadurch nur wieder selbst Stress gemacht habe? Eben. Stört keinen.

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