Bayern,München

Gebrauchsanweisung: Das Dirndl [mein Bayern]

Vor drei Wochen war meine liebe Freundin aus Amerika zu Besuch. Wir haben natürlich auch das Oktoberfest – die Wiesn – besucht und waren privat auf einem bayerischen Abend eingeladen. Wie sich das gehört, gingen wir alle in Tracht. Und schon überrannten mich Fragen über Fragen.

Wie lang muss ein Dirndl sein? Welche Bluse? Wieviel Busen ist ok? Wieviel Busen ist auch für Amerikaner ok? Wo muss die Schleife gebunden werden? Welche Schuhe zum Dirndl? Was ist ein Schlampendirndl?

Das nehme ich heute zum Anlass, wieder einmal ein bisschen über mein Bayern zu schreiben.

DAS DIRNDL:
Der Begriff Dirndl stammt vom Wort Dirne ab. Hochdeutsch für junges Mädchen. Ein Mädchen, das Tracht trägt, trägt somit ein Dirndlgewand. Kurz: Dirndl.

DIE LÄNGE:
Ein langes Dirndl ist so lange, dass man den Knöchel am Fuß sehen kann. Im besten Fall hört der Saum vom Rock dort auf, wo ein Bierkrug, der am Boden steht, beginnt. Ein kurzes Dirndl dagegen ist nicht wirklich kurz. Es ist kürzer als ein langes Dirndl, bedeckt aber in jedem Fall noch das Knie. Es sollte idealerweise nicht an der breitesten Stelle vom Wadl aufhören – das könnte leicht unvorteilhaft wirken. Wenn das Dirndl das Knie nicht bedeckt, spreche ich nicht mehr von einem Dirndl. Das ist ein mini-Kleid oder eben:

DAS SCHLAMPENDIRNDL:
Zu kurz, zu billig, zu schrill. Nix für Bayern. Kölner Karnevalskostüm nenne ich es auch gerne. [Nix für ungut.]

DIE BLUSE:
Die Dirndlbluse ist im Gegensatz zu üblichen Blusen extrem kurz. Sie bedeckt nämlich nur die Oberarme und den Busen [mehr oder weniger, je nach Geschmack und Mut]. Mehr ist da nicht. Warum auch? Das Dirndl bedeckt ja den Rest.

DAS HOLZ VOR DER HÜTTN:
Man könnte meinen: je mehr desto besser. Je mehr Oberweite, desto prächtiger, praller und stolzer präsentieren die Damen ihr Dekolleté. Dirndl sind wirklich tolle Kleider für echte Frauen. Geben dem Busen einen feierlichen Auftritt, das Band der Schürze macht eine wunderbar schmale Taille und unter dem langen Rock erkennt man den Hintern eh nicht. Egal ob groß oder klein. Und auch die Damen ohne Oberweite freuen sich, dass sie mit Hilfe von ausgestopften Dirndl-BHs endlich auch mal ordentlich Holz vor der Hüttn haben.

DIE SCHLEIFE:
An jeder Schürze ist oben ein sehr langes Band. Dieses führt man hinten über den Rücken, legt es dort fein säuberlich übereinander, führt die beiden Enden des Bands aber wieder nach vorne. Vorne stellt sich dann immer wieder die Frage: Wo muss ich denn nun die Schleife machen? Die einzelnen Positionen der Schleife haben jeweils eine Bedeutung.
Schleife rechts: verliebt, verlobt, verheiratet
Schleife links: Single
Schleife mittig: Jungfrau [meine amerikanisch Freundin: „Trägt das wirklich jemand mittig?“] Schleife hinten mittig: Witwe – oder auch Kellnerinnen, weil die Schleife vorne stört

Alles klar, Ladies?
Ach ja: Die Schuhfrage. Ich weiß es auch nicht so recht. Schwarze Ballerinas gehen im Zweifel immer!

Lasst es Euch gut gehen!
Servus, Eure Annette

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5 Kommentare

  • Antworten
    Anonym
    29. Oktober 2014, 01:47

    ł0 thumbs up aus Australien 😀 !

    LG, Gerlinde
    (ich haette das nicht anders gesehen/gekannt!)

  • Antworten
    buntes Landleben
    29. Oktober 2014, 09:48

    Na, mit einem gscheiten Dirndel ist man doch einfach gut angezogen.
    Aber was da manchmal auf dem Markt ist – der begriff Schlampendirndel gefällt mir den hab ich noch nicht gekannt.

    LG vom Bodensee
    Alexandra

  • Antworten
    Yna
    30. Oktober 2014, 11:19

    Ausgestopfte Dirndl BH's ? Ja, ohne würde es wohl nicht gehen 🙂 Anziehen würde ich das ja schon mal gerne. Vielleicht, wenn ich mal wieder in München bin. Erst mal Danke für diese perfekte Einführung in die Dirndl-Kunde 🙂 LG Yna

  • Antworten
    verfuchstundzugenäht
    31. Oktober 2014, 07:46

    Mir gefällt dein Begriff Schlampen-Dirndl außerordentlich gut 🙂
    Ich würd sagen – was für Bayern gilt gilt auch für Österreich!

  • Antworten
    Julika | 45 lebensfrohe Quadratmeter
    3. November 2014, 11:33

    Haha Annette – da hast Du aber wirklich ne gute Dirndl-Anleitung geschrieben. Vielleicht sollte ich dem Oktoberfest echt mal einen Besuch abstatten. 🙂
    Und: eine Dirne ist echt ein junges Mädchen, ja? Mir würde da auch noch ne andere Bedeutung einfallen. .. :/ 😉

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